Empört hatte ich mich schon 2004, als das Hartz IV-Gesetz verabschiedet wurde. Bis dahin war ich auch eine von den Bauchgefühl-Bürgern. Dann wurde ich aktiv. Aus Wut, Angst vor Armut. Aber kaum jemand regte sich. Den Menschen war wohl noch nicht so ganz klar, was da auf uns zukommen sollte.
Nun ist es den Menschen klar geworden. Die neoliberale Politik und die damit einhergehende Agenda 2010 hat den Bürgern gezeigt, wie Armut produziert wird. Im Gegenzug werden Banken gerettet und Arbeitsplätze abgebaut. Diese ganze politische Entwicklung ist so miteinander verzahnt, dass niemand mehr sagen kann:”Ich habe davon nichts gewusst.”
Ja, es gibt sie noch, die diffamierenden Bürger. Diejenigen, welche unsere demokratischen Aktionen in linke Schubladen stecken. Das sind Menschen, die nicht über den Tellerrand schauen, sich wahrscheinlich nur von Blödzeitung und RTL geistig ernähren und frustriert auf ihrem Sofa sitzen. Denn aktiv werden und endlich mal etwas tun bringt nicht nur Menschen zusammen, sondern stärkt die Sozialkompetenz und die Bildung.
Ich bin nicht wirklich ein Freund der Plattform facebook aber sie nützt. Es werden Argumente laut, wie man denn diese kapitalistische Plattform nutzen könne, um eine demokratische Bewegung ins Leben zu rufen. Nun, dann müssten wir auch das essen und trinken aufgeben oder generell das Arbeiten. Denn in jedem Lebensbereich sitzt der Teufel des Kapitalismus` und der Ausbeutung. Wir haben doch kaum noch eine Wahl, diesem System zu entrinnen. Deshalb gehen wir auf die Straße.
Seit 2004 hegte ich die Hoffnung, dass endlich die Menschen versuchen zu verstehen, was um uns herum passiert. Gerade beim G8-Gipfel in Heiligendamm wurde die Verfassung durch die Regierung gebrochen, beim Hartz IV-Regelsatz wurde die Verfassung gebrochen, beim Einstellen der Pendlerpauschale wurde die Verfassung gebrochen, wir hatten 3 Monate lang kein verfassungskonformes Wahlrecht. Und was können wir tun? Alle 4-5 Jahre nur wählen gehen? Nein! Ich habe es zunächst mit Parteipolitik versucht aber mal unter uns: Mich kotzte die Machtgeilheit schon im Kommunalverband an. Es wurden keine Themen behandelt, sondern nur Posten verteilt. Damit konnte ich nicht wirklich demokratisch aktiv werden. Man versucht sich hier, schließt sich dort an, macht mal eine Aktion. Alles ganz süß aber mir reichte es nie!
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